Kadesch psychologe stelle

November des Jahres v. Sie bestand aus hethitischen Würdenträgern, ägyptischen Beamten und syrischen Fürsten. Sie brachten eine Silbertafel mit, die sie in einer feierlichen Zeremonie dem Pharao Ramses II. Die Tafel war mit der akkadischen Fassung des weltweit ersten Friedensvertrags beschriftet. Eine Bronzekopie davon ist heute im Sicherheitsrat der Vereinten Nationen aufgestellt.

Die Vertragspartner waren gleichberechtigt, der Text — bis auf eine Ausnahme — streng paritätisch aufgebaut. In früheren Vereinbarungen stellten sich die Sieger meist über die Besiegten. Nicht so in diesem Vertrag: Jeder Satz der hethitischen Fassung ist nahezu identisch mit der ägyptischen Version, wie der Ägyptologe Elmar Edel — bereits festgestellt hat. Nachdem das Dokument öffentlich vor den wichtigsten Gottheiten des Landes verlesen worden war, fertigte man in Pi-Ramesse ebenfalls auf einer Silbertafel eine Abschrift an und sandte sie in die hethitische Hauptstadt zurück.

Die galoppierende Kultur-Revolution

Beide Tafeln wurden in Keilschrift und auf Babylonisch, der Lingua franca des Alten Orients, verfasst. Auch wenn die Originale heute verschollen sind, ist der Inhalt bekannt. Die hieroglyphische Übersetzung wiederum ist an einer Reliefwand im Tempel von Karnak im ägyptischen Theben erhalten. Sie begegneten sich lange Zeit gar nicht oder nur peripher. Dort kreuzten sich in der Spätbronzezeit die wichtigsten Handelsrouten zwischen Nord und Süd, Ost und West.

In seinen fruchtbaren Ebenen bauten Bauern Getreide, Baumwolle und Oliven an. Die Wälder im Süden lieferten das weithin berühmte Zedernholz. Und in den Bergregionen hatte sich eine boomende Viehwirtschaft entwickelt. Syrien weckte also fast zwangsläufig die Begehrlichkeiten seiner Nachbarn. Nur wenige der in der Gegend beheimateten Kleinfürstentümer konnten längere Zeit ihre Unabhängigkeit bewahren, wie es unter anderem die Forschungen des Altorientalisten Horst Klengel — ergaben.

Zu Beginn der Spätbronzezeit waren das Hatti und Mitanni. Mitanni, das Reich der Hurriter, war ein Zusammenschluss von Völkern, die bereits im Jahrhundert v. Sie errichteten im Dort kamen sie mit den Hethitern in Konflikt. Die Anfänge der Hethiter gehen bis ins Ihrem Land gaben sie den Namen Hatti, nach dem Gebiet, in dem sie sich niedergelassen hatten.

Im anatolischen Hochland liegt oft bis in den Mai hinein Schnee. Die Regenfälle in der zerklüfteten Gebirgslandschaft waren nicht sehr ergiebig. Daher waren die Ernten meist nicht sehr ertragreich. Jahre mit Ernteausfällen gab es oft. Das bezeugt etwa die königliche Briefkorrespondenz, die Hethitologen wie Trevor Bryce von der University of Queensland in Brisbane ausgewertet haben.

Die spärlichen Nahrungsressourcen nötigten die Bergbewohner, nach sicheren Güterquellen zu suchen. Und als besonders attraktiv erwiesen sich die fruchtbaren Landschaften Syriens. Allerdings waren diese militärischen Erfolge nur von kurzer Dauer. Interne Streitigkeiten in der Königsfamilie lähmten das hethitische Reich für mehrere Jahrhunderte. Vergleichbare Sorgen wie die Hethiter hatten die Ägypter nicht.

Syrien und die Levante traten erst in den Fokus ägyptischer Interessen, als Mitte des Jahrhunderts v. Sie regierte ohne nennenswerten Widerstand ein ganzes Jahrhundert, bis die Könige von Theben die »Fremdherrscher« wieder aus dem Niltal vertrieben haben. Ihre Nachfolger, die Pharaonen Amenhotep I. Thutmosis kam sogar bis zum oberen Euphrat, wo er eine Siegesstele aufstellte. Einer seiner Nachfolger, Thutmosis III.

Ein Teil seiner Landgewinne ging jedoch unter einem erstarkten Mitanni-Reich wieder verloren. Die beiden darauf folgenden Pharaonen konzentrierten sich auf ihr eigenes Land. Der zweite, Amenhotep IV. Seine Hauptstadt verlegte er nach Mittelägypten in das Kilometer nördlich von Theben gelegene Tell el-Amarna. Er eroberte die an Mitanni gefallenen Gebiete in Syrien zurück.

Mit dem Pharao blieb er in freundlichem diplomatischem Kontakt. Dabei wäre es vielleicht auch geblieben, wenn nicht Echnatons Nachfolger Tutanchamun plötzlich eine Attacke auf das nun unter hethitischer Kontrolle stehende Kadesch unternommen hätte. Dieser Akt der Aggression blieb nicht unbeantwortet. Kurz darauf erreichte ein Brief den Hethiterkönig.

Vermutlich hatte ihn die Witwe des in jugendlichem Alter gestorbenen Tutanchamun verfasst. Zwar waren dynastische Ehen im Vorderen Orient der Spätbronzezeit nicht ungewöhnlich. In der Regel arrangierten aber die Eltern solche Heiraten für ihre Töchter. Daraufhin schickte der König seinen jüngsten Sohn Zannanza nach Ägypten. Doch der Prinz kam auf der Reise ums Leben.

Auch wenn die näheren Umstände seines Todes nicht bekannt waren, machte der Hethiterkönig Ägypten für sein Schicksal verantwortlich. Zur Vergeltung drang der Thronfolger Arnuwanda bis auf ägyptisches Territorium vor und verschleppte tausende Kriegsgefangene nach Hatti. Mit den Nachfolgern Tutanchamuns kämpften die Hethiter erbittert um die syrischen Provinzen.

Eroberten die Pharaonen eine Stadt oder Region, holten die Hethiter sie kurz darauf wieder in ihren Machtbereich zurück.

Weiter- und Fortbildung

Zum Showdown der Supermächte kam es im Jahr v. Hier standen sich Muwatalli II. Die Ägypter boten 20 Soldaten und Streitwagen auf. Die vom hethitischen König eingesetzte Streitmacht belief sich einigen Quellen zufolge auf das Doppelte. Mit einem Trupp Kundschafter und vier Divisionen rückte der Pharao in Richtung Kadesch vor.

Als die Ägypter südlich der Festung ihr Nachtlager aufschlugen, kamen zwei Beduinen in Ramses' Zelt. Sie gaben sich als Überläufer aus dem hethitischen Heer aus und berichteten, die Hethiter hätten sich aus Angst vor einer kriegerischen Auseinandersetzung nach Norden zurückgezogen. Dem noch unerfahrenen Pharao gefiel die Vorstellung eines vor den Ägyptern fliehenden Feindes ausnehmend gut.

Passte sie doch perfekt in die ägyptische Königsideologie, die von einer grundsätzlichen Überlegenheit der Herrscher ausging, wie es unter anderem Francis Breyer, Ägyptologe an der Universität Bonn, in seinem Buch »Ägypten und Anatolien« überzeugend darstellt. Siegessicher zog Ramses mit nur einer Division Richtung Kadesch.

Allerdings war die Nachricht vom Rückzug der Hethiter eine Finte. Der Gegner lauerte in voller Truppenstärke genau hinter Kadesch und griff prompt die zurückgelassenen ägyptischen Divisionen an. Erst im allerletzten Moment wurde er von seinen Kundschaftern aus der brenzligen Situation befreit. Während die Ägypter vor dem feindlichen Heer nach Süden flohen, eroberten die Hethiter, deren Reich ohnehin schon fast ganz Kleinasien, Nordmesopotamien und Nordsyrien umfasste, weitere Provinzen.

Im Grunde waren aber nach dieser militärischen Auseinandersetzung die Fronten zwischen Ägypten und Hatti geklärt. Ramses II. Er war zu keiner weiteren Konfrontation mit den Hethitern bereit. Zudem versuchten Nomadenstämme aus Libyen ins ägyptische Delta vorzudringen. Der Pharao musste all seine militärischen Kräfte auf die Abwehr dieser Bedrohung konzentrieren.

Auch er wollte keinen Zweifrontenkrieg riskieren, drängten doch die Assyrer von Osten immer stärker auf hethitisches Terrain. Ein Friedensschluss mit dem ägyptischen Pharao brachte für ihn überdies den Vorteil, dass er dadurch als Herrscher Hattis anerkannt würde. Auf beiden Seiten standen die Zeichen auf Frieden. Doch nun galt es, die genauen Konditionen zu klären. Hochkarätige Delegationen reisten mit Entwürfen zwischen den Hauptstädten hin und her.

Die beiden Machthaber selbst tauschten sich auf Tontafeln über ihre Vorstellungen aus. Über den Nichtangriffspakt war man sich schnell einig. Er trat umgehend in Kraft. Damit war auch der Grenzverlauf zwischen den Ländern erst einmal festgelegt. Damit hing auch die Klausel zum Umgang mit »vornehmen Flüchtlingen« zusammen. Dieser Punkt war heikel.

Ägypten hatte den Neffen gleich nach seinem Amtsantritt offiziell anerkannt, doch nachdem ihn sein Onkel gestürzt und aus Hatti verbannt hatte, setzte er sich gen Ägypten ab. Weder sie selbst noch ihre Familien durften in irgendeiner Weise belangt werden. Sie sollten unverletzt und ihr Besitz unangetastet bleiben. Dasselbe galt für alle anderen Flüchtlinge.

Damit waren wahrscheinlich tributpflichtige Bauern gemeint, die auf Grund einer Dürrekatastrophe keine Abgaben mehr leisten konnten und aus dem hethitischen Reich geflohen waren. Letztlich zielte der Vertrag auf einen Interessenausgleich zwischen beiden Ländern ab. Dabei bewiesen die Vertragspartner ein gutes Gespür dafür, die empfindsamen Stellen des anderen zu erkennen.

Der Name seines Neffen taucht nirgendwo im Text auf. Wie die Schlacht tatsächlich endete, ist daher im Vertragstext mit keinem Wort erwähnt.