Borderline psychologisches gesprächstjem

Konzeptentwicklung 2. Diagnostik 2. Differentialdiagnostik 2. Psychodynamische Ansätze 3. Psychoanalytische Theorie der Borderline-Persönlichkeitsstörung 3. Psychoanalytisch orientierte Therapie der Borderline-Persönlichkeitsstörung 3. Kognitive Ansätze: die kognitiv-behaviorale Therapie nach Linehan 4. Konzept der Borderline-Persönlichkeitsstörung nach linehan 4.

Die dialektische Verhaltenstherapie 4. Anhang 6. A: Historie der Boderline-Störungen 6. B: Diagnostisches Interview für Borderline-Patienten DIB-R. Beide Ansätze werden hinsichtlich des zugrundeliegenden Modells sowie im Hinblick auf die empirisch überprüfte Wirksamkeit der therapeutischen Verfahren kurz verglichen. Persönlichkeitsszüge sind überdauernde Formen des Wahrnehmens, der Beziehungsmuster und des Denkens, und zwar im Hinblick auf die Umwelt und auf sich selbst.

Sie kommen in einem breiten Spektrum von wichtigen sozialen und persönlichen Situationen und Zusammenhängen zum Ausdruck. Die Borderline-Persönlichkeitsstörung stellt hiervon eine Spezialform dar, die im zweiten Abschnitt genauer beschrieben wird, wobei auch auf die historische und theoretische Konzeptentwicklung eingegangen wird. Diese Ansätze sind Gegenstand des dritten Abschnitts, der ebenfalls eine kurze Übersicht über die Wirksamkeit dieser Therapieform enthält.

Schwerpunkt liegt auf der von Kernberg entwickelten Selbst-Objekt-Beziehungs-Therapie und der darin angelehnten psychodynamischen Therapie. Im vierten Abschnitt wird diesem Ansatz ein kognitiv-verhaltenstherapeutisches Modell zur Ätiologie und Therapie gegenübergestellt, wobei anhand zweier Studien exemplarisch auf die bislang untersuchte Wirksamkeit der Behandlungsmethode eingegangen wird.

In den jeweils neuesten Fassungen der beiden Diagnosemanuale DSM-IV und ICD ist die Borderline-Persönlichkeitsstörung als Krankheitsbild aufgeführt. Die Borderline-Persönlichkeitsstörung oder das ,,Borderline-Syndrom" sind keine Begrifflichkeiten der letzten 20 Jahre. Man begegnet der Bezeichnung ,,borderland" als Krankheit bereits im Jahre , verwendet von dem englischen Psychiater hughes.

Insofern ist der Begriff fast zehn Jahre älter als die von kraeplin eingeführten Bezeichnungen ,,Dementia praecox", ,,Katatonie" und ,,Dementia paranoides", für die bleuler den Begriff ,,Schizophrenien" prägte.

Angehörigengruppen

Ursprünglich diente das Konzept in der psychiatrischen Forschung dazu, Randphänomene im Grenzbereich zu den schizophrenen Störungen genauer zu fassen. Nichtsdestoweniger kam es bei der weiteren Ausgestaltung und Differenzierung im weiteren wissenschaftlichen Diskurs zu einer Entfernung vom ursprünglichen Konzept.

Während für die Übergangsphänomene im Grenzbereich zur Schizophrenie das Konstrukt der ,,Schizotypie" geschaffen wurde, rückte das ,,Borderline"-Konzept in seiner jetzigen Fassung mehr und mehr in die Richtung einer ,,affektiv-depressiven Persönlichkeitsstörung" Fiedler, , S. Als konstituierendes Merkmal der Borderline-Persönlichkeitsstörung gilt nämlich gegenwärtig eine besonders saliente Instabilität im Bereich der Stimmung und Affektivität siehe Diagnosekriterien DSM-IV und ICD in Synopse 1, Seite 7.

In der ICD ist der Borderline-Typus unter den Kriterien der emotional instabilen Persönlichkeitsstörung F Von den gegenwärtig vertretenen psychoanalytischen Konzeptionen z. Rohde-Dachser, u. Weiterhin bedingt die multiaxiale Klassifizierung eine Aufspaltung insofern, als die Diagnose ,,Borderline-Persönlichkeitsstörung" der Achse II zugeordnet wird, wohingegen viele der beispielsweise von Rohde-Dachser genannten Symptome auf der Achse I anzusiedeln wären.

Trotz der Versuche zur Vereinheitlichung besteht demzufolge nach wie vor eine konzeptionelle Trennung nach verschiedenen psychologischen Schulen, was insbesondere bei der Rezeption der zahlreichen Arbeiten zum Thema ,,Borderline-Störungen" zu berücksichtigen ist. Die momentane Forschungsrichtung konzentriert sich insbesondere auf den Fragen, ob die Multiple Persönlichkeit DSM-IV: dissoziative Identitätsstörung ein prototypisches Symptombild oder auch eine Grundstörung der Borderline-Persönlichkeitsstörung ist.

Offen bleibt beispielsweise die Frage, ob es sich bei der allseits konstatierten Zunahme von Borderline-Störungen tatsächlich um eine Folgeerscheinung gesamtgesellschaftlich veränderter Lebensbedingungen handelt oder eher um einen diagnostischen Modetrend, um eine theoriebedingte Veränderung der Untersuchungsperspektive oder um subtile Labelingprozesse Rohde-Dachser, , S.

Nachstehende Tabelle zeigt im Überblick die vom DSM-IV und der ICD festgelegten Kriterien, welche eine Diagnose ,,Borderline-Persönlichkeitsstörung" rechtfertigen. Auf den hauptsächlichen Unterschied - Subsumierung der ,,Borderline-Persönlichkeitsstörung in der ICD unter die emotional instabile Persönlichkeit F Fiedler vermutet, die Autoren der ICD wollten den Geschlechtsbias in der Diagnostik der Boderline-Persönlichkeitsstörung offenbar eliminieren, denn gegenwärtig seien etwa Dreiviertel aller Patienten mit Borderline-Diagnose weiblich.

Als Diagnosewerkzeuge finden in Forschung und Praxis insbesondere das von Gunderson und Kolb entwickelte ,,Diagnostische Interview für Borderline-Patienten" DIB; deutsch: Pütterich, und das auf Kernberg zurückgehende ,,Strukturelle Interview für Borderline-Patienten" Verwendung. Bei beiden Persönlichkeitsstörungen sind beispielsweise paranoide Gedanken und Phantasien eruierbar. Bei der Borderline-Persönlichkeitsstörung zeigen sich diese jedoch zeitstabiler und sind enger mit situativen Komponenten Interaktionen, Konflikte etc.

Fiedler, , S. Häufig werden beide Diagnosen zusammen gestellt. Bei Unsicherheiten empfiehlt Fiedler eine Komorbiditäts-Diagnose. Das DSM-IV schätzt die Prävalenz der Borderline-Persönlichkeitsstörung auf ca. Nach diesem kurzen Überblick soll nun - ebenfalls in aller Kürze - die Theorie des psychoanalytischen Ansatzes nach Kernberg erweitert von Rohde-Dachser und - etwas ausführlicher - die sich daraus ableitbaren psychotherapeutischen Verfahren geschildert werden.

Das gegenwärtig allgemeingültige psychoanalytische Verständnis der Borderline-Persönlichkeitsstörung beruht ganz wesentlich auf der objekttheoretischen Theorie von Kernberg. Diese beruht in ihrem Kern auf der Annahme sogenannter internalisierter Objekt-Beziehungen. Nach der Instanzenlehre geht es somit um die Bedeutung der frühkindlich vermittelten zwischenmenschlichen Erfahrungen für die weitere Persönlichkeitsentwicklung, respektive um ihren Niederschlag im Selbst oder im Ich die Konstrukte ,,Selbst" und ,,Ich" sind in der psychoanalytischen Theorie nicht synonym.

Bedeutung und Stellung in der psychoanalytischen Theorie der Persönlichkeitsstörung sind vielmehr Gegenstand eines andauernden Diskurses. Diese Repräsentationen beinhalten entweder als. Hieraus erklärt sich - so Kernberg - der für Borderline-Patienten so typische Abwehrmechanismus der Spaltung. Idealtypisch kann demzufolge eine Bezugsperson für einen ,,Borderliner" nur absolut ,,gut" oder absolut ,,böse" sein.

Grundlage dieser Störung ist ein geschwächtes ,,Ich", im Sinne der Freudschen Instanzenlehre, bei gleichzeitiger, konstitutionsbedingter hoher aggressiver Triebstärke. Diese Aufteilung verinnerlichter Objektbeziehungen in ,,gute" und ,,böse" ergibt sich zunächst einfach aufgrund der noch mangelhaften Integrationsleistung des frühkindlichen Ichs.

Später jedoch wird aus dieser ursprünglichen Integrationsschwäche ein vom inzwischen stärker gewordenen Ich aktiv benutzter Abwehrvorgang, mit dessen Hilfe die Generalisierung von Angst vermieden und der auf der Basis positiver [ Eine solche Form der Abwehr durch Teilung des Ichs [ Ausgehend von diesen Überlegungen sind zahlreiche entwicklungspsychologische sowie Familien- und Genetikstudien durchgeführt worden.

Die Befunde sind insgesamt wenig einheitlich. Insgesamt ergaben sich ,,regelhaft ungünstigere Entwicklungsbedingungen für die Borderline-Patienten" Fiedler, , S. Einen ausführlichen Überblick gibt fiedler In der Zusammenfassung stellt sich die gedachte Reihe ,,neurotisch-borderline-psychotisch" tabellarisch wie folgt dar:. Die Abweichungen gehen auf die Hypothese zurück, die das hauptsächliche Problem in der Schwäche der Ich-Strukturen sieht.

Während das Standard-Verfahren bei Neurotikern kurz gesagt darin besteht, eine Regression auf die frühkindliche Phase herbeizuführen, in welcher der verdrängte Konflikt stattgefunden hatte, um eine Nachreifung zu erreichen, erscheint diese Vorgehensweise bei ,,Borderlinern" nicht angezeigt. Interessanterweise wird bei dieser Form der psychoanalytischen Therapie, von Kernberg b als ,,Expressive Psychotherapie" S.

Anstelle der klassischen Aufforderung zur freien Assoziation bestimmt der Therapeut mit dem Patienten zentrale Gesprächsthemen Aufgabe der ,,Technischen Neutralität" vgl. Rhode-Dachser, Es findet also eine, die Gespräche strukturierende Themenselektion statt, mit Fokusbildung vor allem auf jene Bereiche, in denen die besondere Form der Borderline-Abwehr durch zwischenmenschliche Konflikte und Schwierigkeiten provoziert wird.

Innerhalb der Gesprächsbereiche lenkt der Therapeut die inhaltlichen Mitteilungen des Patienten in Richtung eines verbesserten Realitätsbezuges. Dabei kommt es insbesondere auf die Kontrastierung phantasierter Interaktionserwartungen und -befürchtungen mit realen Interaktionserfahrungen an. Der Therapeut soll dabei eine Neubewertung und Integration separierter, voneinander abgespaltener Erfahrungen und Erfahrungsmöglichkeiten anregen, in dem er seine Interventionen darauf ausrichtet:.

Herr K. Jede Person, mit der er zu tun habe, werde von ihm in eine Schublade gepackt und bleibe dort, bis er gezwungen sei, sie aufgrund ihres Verhaltens ihm oder auch anderen gegenüber umzupacken. Er habe zwei Schubladen für Menschen, die er als gut empfinde. Den Weg von den bösen zu den guten Schubladen gebe es nicht Mit den Menschen in den bösen Schubladen sei er im Grunde für alle Zeiten fertig.

Schubladen der Indifferenz, der grauen Mitte existierten nicht. Die seien auch völlig überflüssig. Im Laufe der Therapie konnte Herr K. Dieses stürzte ihn in tiefe Irritationen, die von ihm - mit fast resignierender Stimme - so ausgedrückt wurden: ,,Irgendwie klappt das nicht mehr so ganz THERAPEUT: So wie Sie reden, klingt es, als ob Sie Vertrauen nach dem Entweder-oder-Prinzip werten.

Entweder kann man jemanden vollkommen oder überhaupt nicht vertrauen. T: Na ja, da die Enttäuschung durch einen Menschen Ihres Vertrauens zu den Situationen gehört, die Sie zweifellos berühren, sollten wir uns das vielleicht genauer ansehen. Welches sind Ihrer Ansicht nach die Eigenschaften, die wirklich vertrauenswürdige Menschen aufweisen? K: Hmm T: Wird dadurch alles abgedeckt, oder bedeutet es noch mehr, wirklich vertrauenswürdig zu sein?

T: Was wäre eine richtige Bezeichnung für Menschen, die nicht vertrauenswürdig sind? K: Sie lügen und betrügen jederzeit, und sie versuchen, dich auszunutzen, wann immer sie können. Wie verhält es sich damit bei unzuverlässigen Menschen? K: Wenn sie versuchen, einem weh zu tun, warten sie mit allen möglichen Entschuldigungen auf, warum es geschehen ist.

K: Ich glaube, ja Warten Sie, da ist noch etwas. Sie machen dir Hoffnungen und lassen dich dann im Stich. Das macht mich wirklich wütend. Fangen wir mit Ihrer Schwägerin an, sie kenne ich nämlich ein wenig. Ist sie vertrauenswürdig oder unzuverlässig? T: Lassen Sie uns aber mal die Kriterien ansehen. Lügt und betrügt sie jederzeit? Wie erklären Sie sich das?

T: Also, wollen wir uns das mal genau ansehen.