Redigieren psychologie

Charpentier: Ich lebe schon seit drei Jahren in Deutschland und hatte nicht die Absicht, gleich wieder zu gehen. Das hätte ich zwar machen können, aber die Max-Planck-Gesellschaft hat mir ermöglicht, meine Projekte mit meinem Team in Deutschland fortzusetzen. Sie bietet mir auch die Freiheit, die Themen selbst zu wählen, während man in der Helmholtz-Gemeinschaft stärker programmorientiert forscht.

Deutschland hat eine starke Tradition in der Mikrobiologie und Genetik — und das merkt man auch, wenn man hier arbeitet. Man findet hier gut ausgebildete Studenten und Doktoranden. Unter den Wissenschaftlern gibt es zudem einen Wettbewerb auf einem guten Niveau. Und nicht zuletzt wird die Grundlagenforschung im internationalen Vergleich ordentlich gefördert — etwa durch die Deutsche Forschungsgemeinschaft.

Sind Sie mit den gesetzlichen Regelungen in Ihrem Forschungsgebiet einverstanden? Ich arbeite vor allem mit Bakterien und mein Labor unterliegt den Sicherheitsbestimmungen der Schutzstufe BSL Das ist völlig in Ordnung und das bin ich auch gewohnt. Als ich nach Berlin umzog, musste ich jedoch alle Zulassungen neu beantragen, weil nun ein anderes Bundesland zuständig war. Das könnte man vielleicht vereinfachen.

Aber Sie wollen auf die ethischen Fragen hinaus, die sich aus CRISPR ergeben. Diese Methode ist zum Beispiel nützlich, um die Biologie von Pflanzen und die Biologie von Stammzellen zu untersuchen — und in diesen Bereichen gibt es in Deutschland strengere Regelungen als in anderen Ländern. Ja, sie könnten zu einem Wettbewerbsnachteil führen, wenn zum Beispiel die USA in der Forschung voranschreiten und Deutschland zurückbleibt.

Zu Forschungszwecken sollte man gewisse genetische Manipulationen zulassen. Wenn über CRISPR gesprochen wird, geht es oft um Eingriffe in die Keimbahn, bei denen das Erbgut eines Menschen vor der Geburt verändert wird. Das sollte man natürlich streng regulieren, denn die Technologie ist noch lange nicht etabliert und entsprechend gefährlich.

Ich wüsste im Moment nicht, mit welcher Begründung man die Zellen von menschlichen Embryonen manipulieren sollte. Aber somatische Zellen — also die Zellen, aus denen sich kein Mensch entwickeln kann — sollte man genetisch manipulieren dürfen, um die Funktion und Regulation besser verstehen und auch Therapien entwickeln zu können.

Richtig redigieren

Hier bietet sich CRISPR an, da man damit das Erbgut einfacher verändern kann als bisher — und auch ganz unterschiedliche Eingriffe möglich sind. Für eine Methode, die sich so unterschiedlich einsetzen lässt wie CRISPR, braucht man differenzierte Regeln. Die europäische Oviedo-Konvention widmet dem Thema zum Beispiel nur wenige, allgemein gehaltene Sätze.

Diese Regeln sollte man jetzt präzisieren. Würden Sie Eingriffe in die Keimbahn erlauben, wenn in Zukunft einmal alle Sicherheitsbedenken ausgeräumt sein sollten? Auch dann hätte ich Schwierigkeiten damit. Man müsste fragen: wozu? Aus meiner Sicht darf man das menschliche Erbgut nur verändern, um eine Krankheit zu heilen.

Es gibt auch Ethiker, die grundsätzlich gegen Eingriffe in die Keimbahn argumentieren, weil niemand das Recht habe, den Genpool der Menschheit zu verändern. Ich finde auch, dass man in erster Linie Gentherapien für somatische Zellen bei kranken Kindern und Erwachsenen entwickeln sollte, ohne in die Keimbahn einzugreifen. Ethische Fragen stellen sich schon heute: wenn bei einer künstlichen Befruchtung das Erbgut untersucht und Embryonen aussortiert werden.

Die Präimplantationsdiagnostik ist in Deutschland in Einzelfällen erlaubt und sollte auch meiner Meinung nach sehr restriktiv eingesetzt werden. Wichtig ist auch hier, dass der Fokus auf der Behandlung von Krankheiten liegt. Ihre Kollegin Jennifer Doudna berichtet, dass sie die ethischen Diskussionen über genmanipulierte Pflanzen, Tiere und Menschen kaum kannte, die mit der Entdeckung von CRISPR über sie hereinbrach.

Wie haben Sie die Zeit seit der Entdeckung erlebt? Ich habe in der Forschung schon immer genetisch gearbeitet. Und obwohl ich mit Bakterien forsche: wenn man Gene verändert, muss man dies verantwortungsbewusst und im Rahmen der gesetzlichen Vorschriften tun. Man kennt die Risiken der genetischen Werkzeuge. Als das Klonen möglich wurde, wurden genetische Techniken hinterfragt — und CRISPR wirft diese Fragen nun neu auf.

Ich persönlich freue mich natürlich über die neuen Labortechniken mit CRISPR, die die zellbiologische und biomedizinische Forschung enorm unterstützen. Kritische Briefe bekomme ich nur wenige. Mir schreiben vor allem Patienten mit genetischen Krankheiten, die sich nach den therapeutischen Möglichkeiten von CRISPR erkundigen. Das zeigt mir, dass sie die Entwicklungen in der Wissenschaft aufmerksam verfolgen.

Manche vielleicht schon. Ich drücke mich daher immer vorsichtig aus — allein schon, weil ich keine Ärztin bin und weil es noch Jahre dauern wird bis zu den ersten klinischen Studien mit CRISPR-Therapien. Das Missbrauchspotenzial hängt auch davon ab, wie leicht es ist, CRISPR einzusetzen. Schafft man das ohne Studium?

Und welche Art von Labor würden Menschen mit kriminellen Absichten benötigen? Man braucht schon ein gut ausgestattetes Labor, wie es an Universitäten üblich ist. Es kommt auch immer darauf an, in welchen Experimenten man CRISPR-Techniken einsetzen möchte. Zellkulturen und Bakterien benötigen je nach Organismus entsprechende Laborbedingungen, um erfolgreich kultiviert zu werden.

Natürlich ist es kriminell, ein Labor zu betreiben, ohne den gesetzlichen Regelungen zu folgen. Man muss aber nicht studiert haben, um Regeln und Gesetze zu brechen — und das gilt nicht nur für CRISPR-Techniken. Sonderpublikation in Zusammenarbeit mit der Baden-Württemberg Stiftung Jetzt ist morgen Wie Forscher aus dem Südwesten die digitale Zukunft gestalten. Sicherer Server.

Technik Digitales. Gesundheit Medizin. Erde Umwelt. Geschichte Archäologie. Gesellschaft Psychologie. Deutschlandkarten Kommentare Rätsel Nobelpreisträger-Quiz bild der wissenschaft Neujahrsrätsel Cogito Rezensionen Bücher Wissensbücher des Jahres Das glaube ich nicht Sabine Hossenfelders Stichproben Die Science Busters Phänomenal Die Forschperspektive Lexikon Wahrig Wissenschaftslexikon bdw-Hefte Specials Abonnements Aktuelles Heft Sonderhefte bdw extra Leserservice Einzelheft-Archiv Vorschau Nachrichtenquellen Leserreisen Events KI-Kongress Mehr Newsletter bild der wissenschaft shop Stellenanzeigen bei Fachjobs24 Blog von ScienceBlogs.

Die Biochemikerin und Genetikerin Emmanuelle Charpentier ist seit Direktorin am Max-Planck-Institut für Infektionsbiologie in Berlin. Mit dem neuen Werkzeug CRISPR wird es deutlich einfacher, das Erbgut von Zellen zu verändern — auch von menschlichen. Noch sind klinische Therapien weit weg, weil die Methoden nicht zuverlässig genug funktionieren, aber viele Fachleute erwarten rasche technische Verbesserungen.

Die französische Mikrobiologin Emmanuelle Charpentier 47 , die eine Abteilung am Max-Planck-Institut für Infektionsbiologie in Berlin aufbaut, hat CRISPR mitentwickelt und erläutert im wissenschaft. Von bis leitete sie eine Abteilung am Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung in Braunschweig. Zurück zur Startseite. Weitere Artikel aus der Redaktion.

Gesundheit Medizin Muskelkrebszellen in Muskelzellen umgewandelt. Medizin Neues Antibiotikum aus Bodenbakterien entschlüsselt. Newsletter abonnieren. Menschen oder Affen: Wer ist neugieriger? Wie viele Ameisen gibt es auf unserem Planeten? Wozu benutzen Robben ihre Schnurrhaare? Gravitationswellen und Schwarze Löcher. Aktueller Buchtipp. Bakterien — unsere segensreichen Mitbewohner.

Hoch ziehende Verschmutzung im Visier. Mikrolautsprecher für Kopfhörer der Zukunft. Von Pfleghöfen, Mönchsgesang und Orgelklang. Psychischer Entwicklung auf der Spur. Rätselhafte Schrift entschlüsselt. Davon ausgenommen sind Zusammensetzungen, in denen die fremdsprachigen bzw.