Reaktionsbildung psychologie definition

Als Reaktionsbildung bezeichnet man in der Psychoanalyse jenen Abwehrmechanismus, bei dem das Ich inakzeptable Triebregungen unbewusst in ihr Gegenteil umwandelt. Manchmal bringen Menschen dabei Gefühle zum Ausdruck, die das Gegenteil der eigenen Angst erregenden unbewussten Gefühle sind. Nach Sigmund Freud werden bei der Raktionsbildung Triebe und Wünsche teilweise unbewusst für inakzeptabel gehalten und durch etwas ersetzt, das der ursprünglich beabsichtigten Reaktion diametral entgegengesetzt ist, jedoch ein sozial erwünschtes Verhaltensmuster darstellt.

So kann übertriebene Reinlichkeit eine Reaktionsbildung sein, bei der die täglich viele Stunden beanspruchende Beseitigung von Schmutz und Unrat eine Möglichkeit darstellt, seine wirklich vorhandene Schmutzlust zu befriedigen. Analog dazu ist es auch möglich, dass ein religiöser oder politischer Sittenhüter, der überall gegen sexuelle Unsittlichkeit ankämpft, in diesem Tun eine Möglichkeit sieht, seine überstarken, aber verdrängten sexuellen Bedürfnisse ersatzweise zu befriedigen.

Weitere Beispiele sind etwa, wenn jemand nach allgemeinem Empfinden eigentlich wütend reagieren müsste, er stattdessen behütend und fürsorgend reagiert, oder ein Mensch mit starker homoerotischer Neigung wehrt diese ab, indem er eine starke Homophobie entwickelt. Phänomenologisch betrachtet ist Reaktionsbildung eine Notfallreaktion auf eine vom Betroffenen erlebte, aber nicht bewusste existentielle Bedrohung, bei der Erfahrungen aktiviert werden, in denen die psychische oder physische Existenz bedroht war.

Abwehrmechanismen nach Freud einfach erklärt (Psychologie)

Literatur Fellner, Richard L. Die Psychoanalyse Sigmund Freuds. Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Meinen Namen, meine E-Mail-Adresse und meine Website in diesem Browser für die nächste Kommentierung speichern. Die Reaktionsbildung richtet sich somit gegen einen nicht akzeptierten Triebimpuls und die daraus resultierende Angst mobilisiert dem gegenteiligen Antrieb.

Voraussetzung dafür ist in der Regel eine besonders starke Bedrohung des primären Impulses durch Ängste oder ein besonders strenges Über-Ich. Die Betonung in der Reaktion liegt dabei auf der Übertreibung, die sich durch besondere Starrheit und Rigidität auszeichnet, die situationsgerechtes Handeln unmöglich macht. Schreibe einen Kommentar Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.