Loch psychologie

Eberts S. Kaum eine Zeit markiert in unserem Kulturkreis so klar, was wir im Alltag oft missachten: die Pausen. Zwischenräume und -zeiten, die uns von einem zum anderen geleiten. Von dem was war, zu dem was kommt.

Prof. Dr. Alexander Loch

In denen wir uns bewusst mit uns selbst verbinden. Erst das Unterbrechen von Gewohntem und Innehalten führt uns zu Erkenntnis, Erfahrungen und Weisheit im Leben. Solange wir aber die Dinge nicht verinnerlichen, kann es In der Lernspirale recht lange dauern, bis wir aus der Routine heraus finden und endlich nicht mehr in die alten Fallen tappen. Da ist ein tiefes Loch im Gehsteig.

Ich falle hinein. Es ist nicht meine Schuld. Es dauert endlos wieder herauszukommen. Da ist ein tiefes Loch im Gehsteig, ich tue so, als sähe ich es nicht. Ich falle wieder hinein. Ich kann nicht glauben, schon wieder am gleichen Ort zu sein. Aber es ist nicht meine Schuld. Immer noch dauert es sehr lange wieder herauszukommen. Ich sehe es. Ich falle noch einmal hinein… aus Gewohnheit.

Meine Augen sind offen. Es ist meine eigene Schuld. Ich komme sofort heraus. Ich gehe darum herum. Zu erkennen, was die Falle bzw. Es fühlt sich einfach nicht gut an, dort hineinzutappen. Es hindert uns, unseren Weg gerade zu gehen. Doch das Wissen um das Loch hilft wenig weiter. Es dringt einfach nicht zu uns durch. Die Gewohnheit hält uns auf den vertrauten Spuren fest.

Doch das Loch verschwindet ja nicht. Uns gelingt es im Routine Modus nicht, mit dem Loch umzugehen und den Blick auf einen neuen Weg zu richten. Sich wirklich zu verändern, ist ein Prozess für uns Menschen, dem ein aktives Unterbrechen des Gewohnten voraus geht. Manchmal braucht es einen Impuls mehr, um der eigenen Betriebsblindheit zu entkommen. Das Loch ist Kompagnon des Nicht-Lochs: Ein Loch allein kommt nicht vor… Wäre überall etwas, dann gäbe es kein Loch… Die Maus könnte nicht leben ohne es, der Mensch auch nicht: es ist beider letzte Rettung, wenn sie von der Materie bedrängt werden.

Er gehört zum Etwas, sieht aber beständig in das Nichts, eine Grenzwache der Materie. Das Nichts hat keine Grenzwache: während den Molekülen am Rande eines Lochs schwindlig wird, weil sie in das Loch sehen, wird den Molekülen des Lochs… festlig? Dafür gibt es kein Wort. In: Gesammelte Werke Bd. Eine Begebenheit aus dem Leben: Unsere pubertierende Tochter kommt nach Hause und wir fragen sie, wie es in der Schule war.

Keine Bereitschaft, uns in ihre Erlebnisse hinein blicken zu lassen. Also fragen wir nochmal nach, da wir gerne an ihrem Leben teilhaben möchten. Ihr nervt. Jetzt fragen wir aber nicht nochmal nach, sondern stellen konkretere Fragen, z. Die Falle schnappt schon wieder zu. Ich will jetzt meine Ruhe haben. Sie möchte erst einmal einen Augenblick Ruhe haben.

Neuer Tag, neue Chance. Unsere Tochter kommt strahlend nach Hause. Wir merken es sofort und ärgern uns. Wenn Du erzählst habe ich immer das Gefühl, dabei gewesen zu sein. Wiederum an einem anderen Tag. Sie kommt nach Hause. Von Pubertierenden und der Gleichwertigkeit ihrer Bedürfnisse lässt sich viel lernen.

Lernen braucht nur eben seine Zeit — je älter wir werden, desto mehr meinen wir manchmal. Wenn zur Erkenntnis der passende Impuls hinzukommt, dann können wir aus der Sisyphus-Falle austreten und Schritt für Schritt auf der Lernkurve neue Wege einüben.