Psychologie pädagogik stress
Die Stressreaktion ist ein allen Menschen und auch höheren Tieren angeborenes Verhalten , das bei Gefahr die Energiereserven im Körper mobilisieren soll, und rührt aus der stammesgeschichtlichen Entwicklung des Menschen her, als es in Gefahrensitutationen nur zwei Möglichkeiten zum Überleben blieben: Angriff oder Flucht.
Stress löst im Gehirn eine komplexe Kette von Reaktionen aus, denn es signalisiert das Nervensystem der Nebennierenrinde, verschiedene Hormone freizusetzen, unter anderem das Hormon Cortisol. Die Nebenniere ist eine paarige Hormondrüse und befindet sich beim Menschen auf den oberen Polen beider Nieren.
Das von ihr ausgeschüttete Cortisol wirkt im Gehirn über zwei verschiedene Rezeptortypen, den Mineralocorticoid Rezeptor und den Glucocorticoid Rezeptor. Das menschliche Stresssystem ist evolutionär sehr alt, denn wahrscheinlich half es schon den ersten Säugetieren beim Überleben. Seither hat sich dieses weiterentwickelt und verfeinert, wobei es Verhaltensoptionen in Notfallsituationen wie Kampf, Flucht, Verstecken oder Totstellen unterstützt.
Alle diese Reaktionen verbrauchen Energie, die der Körper vorsorglich bereitstellen muss. Über das Stresssystem des sympathischen Nervensystems wird etwa der Kreislauf angetrieben, von der Leber wird Zucker zur Verfügung gestellt und aus Fettzellen werden Fettsäuren freigesetzt, zudem wird über ein weiteres Stresssystem, die Hypothalamus-Hypophysen-Nebenniere-Achse, beim Menschen Cortisol ausgeschüttet, das sich im gesamten Körper verbreitet und vor allem im Kern einer Zelle die Genexpressionen verändert.
Dieses Hormon wirkt praktisch auf jede Körperzelle und sorgt unter anderem dafür, dass der Körper auch mittel- oder langfristig mit einer anhaltenden Stresssituation zurechtkommt. Das Gehirn merkt sich in Stresssituationen wichtige Dinge wesentlich besser, sodass man beim nächsten Mal eine ähnliche Situation von vornherein vermeidet oder ob man in der Lage ist, die Situation erfolgreich zu bewältigen.
Bei der Evolution der Säugetiere wurden Stresssysteme zunehmend im sozialen Kontex t relevant, wobei es dabei nicht um die Abwehr eines angreifenden Fressfeindes geht, sondern etwa um den Reproduktionsvorteil. Schon die menschlichen Vorfahren waren gestresst, wenn die von ihnen erlebte soziale Stellung, ihr soziales Selbst, in Gefahr war, und auch heute werden bei Menschen Stresssysteme besonders in sozialen Stresssituationen aktiv.
Allerdings kann all das, was Menschen früher in bedrohlichen Situationen gerettet hat, heute gesundheitlich gefährlich werden. Übrigens: nach neueren Untersuchungen soll Cortisol die Erinnerungsfähigkeit eher verschlechtern, und unter Stress neigen Menschen eher dazu, in alte Gewohnheiten zu verfallen und weniger Neues auszuprobieren, was auch auf Kinder zutrifft.
Stress bewirkt bekanntlich einen Anstieg des Stresshormons Cortisol, sodass bei Menschen in solchen Situationen die kognitive Flexibilität verringert wird, man auf Sicherheit bedacht ist und keine alternativen Verhaltensweisen ausprobiert. Elbau et al. Dies könnte einen bisher nicht erkannten Mechanismus darstellen, der zu individuellen Unterschieden in der Stressantwort beiträgt.
Diese Ergebnisse zeigen, dass akuter Stress zu einer schnellen, grundsätzlichen Funktionsanpassung des Gehirns führt, und möglicherweise beeinflussen die individuelle Unterschiede auf dieser Ebene auch das Risiko, unter chronischem Stress Fehlanpassungen und letztlich psychische Symptome zu entwickeln. In der Psychologie existieren viele unterschiedliche Definitionen von Stress und je nach Theorie wird mit Stress ein belastendes Ereignis stimulusorientierte Stresstheorien , eine bestimmte Reaktion auf Reize reaktionsorientierte Stresstheorien, z.
Das Stress-Konzept von Lazarus et al. Jeder Mensch reagiert auf eine solche Situation anders, wobei entscheidend ist, wie er diese subjektiv bewertet: Ist die Situation belastend, irrelevant oder positiv für sein Wohlbefinden? Nur wenn er das Geschehen als eine Belastung bewertet, erlebt er Stress primäre Bewertung.
Zeitgleich wägt man die persönlichen Stressbewältigungsmöglichkeiten ab sekundäre Bewertung , d. Erlebt man eine Stressreaktion als belastend und schätzt gleichzeitig seine Bewältigungskompetenzen als unzureichend ein, wird eine Stressreaktion ausgelöst. Grundsätzlich lässt sich das akute Stressgeschehen in drei Ebenen unterscheiden:.
Die individuellen Motive, Bewertungen und Einstellungen verbinden die Stressoren mit den Stressreaktionen und werden auch als persönliche Stressverstärker bezeichnet. Diese tragen zur Interpretation, Auslösung bzw. Verstärkung der Stressreaktionen bei. Probleme im Zusammenhang mit Stressverstärkern treten dann auf, wenn man sich durch die gesammelten Erfahrungen in seinem Leben zu einem stressverschärfenden Denkstil neigt.
Dieser gliedert sich in die selektive Wahrnehmung man nimmt nur bestimmte negative Situationsaspekte aus der Umwelt wahr und blendet die positiven aus , selektive Verallgemeinerung man bezieht einzelne negative Ereignisse und Erfahrungen auf sein gesamtes Leben sowie in das Personalisieren man bezieht alles, was geschieht, auf die eigene Person und Katastrophisieren man überbewertet die Folgen negativer Geschehnisse.
Wenn man kurzfristig und insbesondere chronischem Stress ausgesetzt ist, haben diese Belastungen sowohl körperliche, psychische als auch kognitive Auswirkungen. Stress ist also der Versuch des Körpers, sich auf die verschiedensten Arten von Belastung einzustellen: auf Kälte, Hitze, soziale Spannungen, das ganze Spektrum von möglichen Belastungen, die Körper und Seele treffen können.
Wissenschaftlich nachweisbar ist, dass Stresshormone ausgeschüttet werden, die den Menschen in die Lage versetzen, eine körperliche Antwort auf die Belastung zu finden. Dauerhafter Stress kann reale Schmerzen und körperliche Beschwerden auslösen, etwa Magen- und Darmprobleme, Rückenschmerzen, Asthma, Hautausschlag oder Kopfschmerzen. Finden sich keine körperlichen Ursachen für diese Leiden, sollte man herausfinden, was einen in seinem Leben so stark unter Druck setzt und was man ändern könnte, was oft nur durch eine psychotherapeutische Behandlung möglich.
Sehr häufig resultiert übrigens Stress aus latenten Konflikten mit Kollegen oder Vorgesetzten im Beruf sowie aus Partnerschaftsproblemen. Empathischer Stress : Stress ist übrigens ansteckend, denn es kann ausreichen, einen anderen Menschen in einer stressbelasteten Situation zu beobachten, damit der eigene Körper das Stresshormon Cortisol ausschüttet. Dieser empathische Stress trat besonders häufig dann auf, wenn Beobachter in einer Beziehung zu der gestressten Person steheen und das Geschehen direkt verfolgen können.
Aber auch wenn fremde Menschen lediglich auf einem Bildschirm zu sehen sind, versetzt das einige Menschen in Alarmbereitschaft, denn dieser empathisch vermittelte Stress ein Erbteil der Evolution Engert et al. Im Detail siehe unten! Übrigens : Nicht nur Gähnen, sondern auch Stress kann ansteckend wirken, denn wer selbst entspannt ist, für den kann die Beobachtung eines anderen Menschen in einer angespannten Situation belastend sein.
Schon die Beobachtung reicht oftmals, dass der eigene Körper ebenfalls das Stresshormon Cortisol ausschüttet. Wenn man zu dem Betroffenen in einer partnerschaftlichen Beziehung verbunden ist, so reagieren vierzig Prozent, bei fremden Menschen immerhin noch zehn Prozent. Auch können selbst Fernsehsendungen, die mit dem Leid anderer konfrontieren, den Stress auf übertragen.
Eine Langzeitstudie schwedischer und amerikanischer Forscher bei Frauen, die über Jahrzehnte immer wieder Stress empfunden hatten, erbrachte ein deutlich erhöhtes Demenzrisiko. Stress kann bekanntlich das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen wie Schlaganfall, Herzinfarkt und Bluthochdruck erhöhen, aber die neuen Ergebnisse legen den Schluss nahe, dass Stress auch das Risiko für die Alzheimersche Krankheit bzw.
Der menschliche Organismus bzw. Stress leitet sich vom lateinischen Wort distingere her, das beanspruchen und einengen bedeutet Vgl. Brockhaus , S. Für Becker , S. Schmale , S. Zimbardo , S. Zu unterscheiden sind grundsätzlich vorübergehende Erregungsmuster mit klar definiertem Beginn bzw. Ende, welche als akuter Stres s bezeichnet werden, und kontinuierlich wirkende Faktoren, die eine chronische Form des Stresses hervorrufen.
Wichtigste Komponenten im Rahmen der physiologischen Reaktionen sind der Hypothalamus, die Hypophyse und das autonome Nervensystem. Als oberstes Steuerzentrum des Hormonsystems hat der Hypothalamus über den Hypophysenstiel direkten Kontakt zur Hypophyse. Zum Einen das Thyroid stimulierende Hormon TSH , welches die Schilddrüse anregt, die wiederum dem Körper mehr Energie zur Verfügung stellt.
Zum anderen wird das adrenokortikotrope Hormon ACTH ausgeschüttet, was wiederum die Freisetzung sog. Glukokortikoide in der Nebennierenrinde provoziert. Diese sorgen für eine gesteigertes Angebot von Energie- und Energieträgern im Körper, z. Auch das autonome Nervensystem wird vom Hypothalamus gelenkt. Hier werden Körperaktivitäten geregelt, die nicht der direkten Kontrolle des Individuums unterstehen.
Beim Auftreten einer Störung des Organismus bzw. Stress aktiviert der Sympathikus umgehend das Gehirn und stellt bestimmte Verhaltensweisen des Körpers sicher: Unterbrechung der Verdauung, verstärkte Versorgung der Muskeln mit Blut, Steigerung des Sauerstofftransportes, Steigerung der Herzfrequenz, Erhöhung des Blutdrucks und Anregung des endokrinen Systems.
Adrenalin und Noradrenalin, Hormone des Nebennierenmarks werden durch einen Reiz aus dem sympathischen vegetativen Nervensystem per Exozytose in die Blutbahn gegeben. Diese Katecholamine sind ausgesprochene Stresshormone, die eine sog. Flucht — oder Kampfreaktion vermitteln. Für die Beruhigung und Entspannung nach überwundener Gefahr sorgt der Parasympathikus, es kommt zum Einsetzen der Verdauung, Verlangsamung der Atmung.
Die hormonelle Reaktion auf Stress wird bekanntlich durch die Hypothalamus-Hypophysen-Nebennieren-Achse reguliert, ein neuroendokrines System, das bei Stress aktiviert wird. Bestimmte Neuronen in einem Bereich des Hypothalamus geben den Corticotropin freisetzenden Faktor ab, der an die Rezeptoren in der Hormondrüse Hypophyse bindet, wodurch die Freisetzung eines speziellen Hormons, des adrenokortikotropen Hormons ACTH, aus der Hypophyse in den Blutkreislauf stimuliert wird.
Das ACTH bindet an die Nebennierenrinde und aktiviert die Synthese einer Klasse von Hormonen, der Glukokortikoide, also des Kortisols beim Menschen bzw. Kortikosterons bei Nagetieren, die so als nachgeschaltete Auslöser für die Stressreaktion fungieren. Sie geben die wichtige negative Rückmeldung an die Hypothalamus-Hypophysen-Nebennieren-Achse, sich abzuschalten, wenn der akute Stress vorbei ist.
Nun hat man herausgefunden Ramot et al. Diese Neuronen in diesem Bereich des Hypothalamus produzieren genau dann vermehrt Rezeptoren, wenn das Glukokortikoid-Niveau hoch ist, wenn die Stressreaktion des Körpers also bereits läuft. Die stressbedingte kortikale Wachsamkeit wird durch eine erhöhte Erregbarkeit noradrenerger Neuronen aufrechterhalten, die insbesondere den präfrontalen Cortex innervieren.
Allerdings ist weder die Signalachse, die die hypothalamische Aktivierung mit einer verzögerten und dauerhaften noradrenergen Erregbarkeit verknüpft, noch die molekulare Kaskaden-Gate-Noradrenalin-Synthese dadurch definiert. Es scheint auch evolutionär sinnvoll, dass eine aus dem Umfeld kommenden Bedrohung auch länger bestehen kann, was vom Organismus nicht nur einen sofortigen, sondern einen dauerhaften Aufmerksamkeitszustand abverlangt.
Nach der Stressauslösung und dem Auftreten von Gefahr wird über das Hirnwasser mit einer zehnminütigen Verzögerung derjenige Hirnbereich aktiviert, der auf den Stress reagiert und für das weitere Verhalten verantwortlich ist. Dabei sind dieselben Nervenzellen auch fähig, auf diesem dritten Weg eine Stressreaktion auszulösen, deren Wirkung später auftritt und vor allem dauerhaft ist.
In diesem Prozess gelangt das für die Entwicklung und Instandhaltung des Nervensystems wichtiges Molekül, der sogenannte ziliare neurotrophe Faktor CNTF , der im Hirnwasser kreist, zur Stresszentrale. Im Hirnwasser wird der Stoff langsamer verdünnt und kann deshalb seine Wirkung länger andauernd entfalten und es kommt auch zu einem wacheren Zustand des Nervensystems mit einer höheren Reaktionsfähigkeit.
Vermutlich werden bei starkem Stress alle drei Mechanismen einsetzen wirksam. Berger et al. Dieser Botenstoff spielt offenbar eine noch wichtigere Rolle für die akute Stressreaktion des Körpers als das Adrenalin , das schon vor einigen Jahrzehnten entdeckte Osteocalcin. Dieses Peptidhormon gelangt von den Knochen in den Blutkreislauf und beeinflusst zahlreiche Körperfunktionen, wobei Experimente nahelegen, dass Osteocalcin unter anderem das Erinnerungsvermögen und die Muskelfunktion verbessern, also Faktoren, die auch in Gefahrensituationen von Vorteil sind.
Auch Menschen, die eine Rede halten sollten oder einem Kreuzverhör unterzogen wurden, hatten ebenfalls vermehrt die aktive Form dieses Knochenhormons im Blut. Offenbar sind die Nebennieren für eine akute Stressreaktion offenbar gar nicht so bedeutsam wie gedacht, sondern erst durch Osteocalcin zeigt der Körper eine adäquate Reaktion auf unmittelbare Bedrohungen.
Man untersuchte auch, wie genau die Ausschüttung des Knochenhormons in Stresssituationen stimuliert wird, und es zeigte sich, dass wenn die Amygdala das Signal Angst aussendet, die knochenbildenden Osteoblasten den von Neuronen ausgeschütteten Botenstoff Glutamat aufzunehmen beginnen.
Stress und Stressbewältigung
Im Inneren der Zellen entfaltet dieser Neurotransmitter dann seine Wirkung und hemmt ein Enzym, dass das Osteocalcin normalerweise inaktiv macht. Das nun aktivierte Knochenhormon wird von den Osteoblasten freigesetzt und wirkt hemmend auf parasympathische Neuronen ein, die im Erholungsmodus des Körpers aktiv sind. Dadurch hat der für die Leistungssteigerung bei Belastung zuständige Sympathikus keinen Gegenspieler mehr und die mit der Kampf-oder-Flucht-Antwort assoziierten Reaktionen setzen ein.
Die Fähigkeit des Osteocalcins, die akute Stressreaktion auszulösen, das Gedächtnis zu fördern und die Muskelfunktion zu verbessern, legt nahe, dass dieses Peptidhormon einen wichtigen Überlebensvorteil für Wirbeltiere bedeutet, die in potenziell bedrohlichen Umgebungen leben. Bender et al. Die sternförmig verzweigten Astrozyten, die unter anderem dazu dienen, Botenstoffe zu recyceln, ziehen einige ihrer dünnen Ausläufer von Synapsen der Neuronen zurück.
Am Mausmodell hat man nun herausgefunden, dass das im Stress ausgeschüttetes Hormon Noradrenalin die Produktion des Proteins GluA1 blockiert, das für den Aufbau der Ionen-Kanäle bedeutsam ist, denn ohne dieses Protein geht der Kontakt der Neuronen untereinander verloren.
Arbeitsblatt: Umgang mit Stress
Dabei führte schon ein einmaliger Stressmoment Fuchsurin , dem die Tiere ausgesetzt wurden, zu einem schnellen, aber lang anhaltendem Rückzug der Astrozyten-Ausläufer im Mäusegehirn. Konkret reguliert Stress also die GluA1-Proteinsynthese in Astrozyten und gestaltet ihre feinen Prozesse daher um. Nach einer Studie empfindet in Deutschland jeder fünfte Arbeitnehmer starken digitalen Stress durch seinen Beruf, sodass digital Gestresste öfter daran denken, ihre Arbeitsstelle oder ihren Beruf zu wechseln, und sie zeigen auch eine schlechtere Leistung und sind unzufriedener mit ihrer Arbeitsstelle.