Dirty dozen psychologie
Psychopathie und Machiavellismus sind beides zwei Persönlichkeitsmerkmale der Dark Triad. Auch sonst haben sie viele Gemeinsamkeiten und nur sehr wenige Unterschiede. Sind sie nur ein Produkt uneinsichtiger Forschung oder sind sie tatsächlich zwei voneinander unabhängige Traits? Von Marcia Arbenz und Sophia Scheele Lektoriert von Loana Brestel und Niko Läderach Illustriert von Andrea Bruggmann.
Das Konzept der Dark Triad wurde von Paulhus und Williams begründet. Sie fassten drei Persönlichkeitsmerkmale zusammen: Psychopathie, Machiavellismus und Narzissmus. Diese drei Merkmale wurden gewählt, da sie einander ähnlich sind personal communication with D. Paulhus, , beispielsweise im Ausnutzen anderer Personen Jonason et al. Doch bald schon entbrannte eine Diskussion, ob diese drei Merkmale nicht zu ähnlich sind.
Besonders Psychopathie und Machiavellismus sind oftmals nicht distinkt. Eine Zusammenfassung. Eine psychopathische Person besitzt eine antagonistische Persönlichkeit, die sich durch Manipulationen, egoistisches Verhalten und Gefühlslosigkeit auszeichnet Furnham et al. Mitleid sucht man bei ihr vergeblich. Hinzu kommen ein schlechtes Urteilsvermögen und pathologischer Egozentrismus Cleckley, Trotz dieser kaum wünschenswerten Eigenschaften wirken psychopathische Personen oft sympathisch, da sie einen aussergewöhnlichen Charme besitzen Cleckley, Im Allgemeinen wird Psychopathie als das Übelste der Dark Triad bezeichnet Furnham et al.
Mit der Psychopathie entstehen zahlreiche ungünstigste Folgen. Beispielsweise haben diese Personen oft Probleme mit dem Gesetz Williams et al. Oft sind sie auch in den höheren Führungsebenen zu finden Boddy, ; Chiaburu et al.
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Auch in romantischen Beziehungen zeigen sie auffälliges Verhalten. Sie sind äusserst missbräuchlich wie auch unvorhersehbar in Einstellungen und Verhalten Williams et al. Doch wie misst man diese Einstellungen und Verhaltensweisen? Es gibt einige Messinstrumente für Psychopathie, beispielsweise die Self-Report Psychopathy scale SRP, Paulhus et al.
Diese basiert auf der Psychopathy Check-List Hare, , dem Goldstandard für klinische Psychopathie. Die 64 Items lassen sich in vier Faktoren unterteilen: unbeständiger Lebensstil bspw. Ein mögliches Problem der SD3 ist, dass sich die Items für Psychopathie auf Verhalten fokussieren bspw. Diese Trennung zwischen Verhalten und Einstellung der beiden Merkmale ist jedoch frei von der theoretischen Grundlage.
Machiavellismus ist wie die Psychopathie durch eine antagonistische Persönlichkeit und durch Manipulationen, Gefühlskälte und Egoismus gekennzeichnet Furnham et al. Doch während Psychopathie durch klinische Beobachtungen entwickelt wurde, stammt Machiavellismus von einer historischen Figur und dessen Buch ab. Niccolo Machiavelli schrieb das Buch «Der Fürst», in dem Ratschläge erteilt werden, wie man durch Manipulationen Macht gewinnen und erhalten kann.
Aussagen wie « When they believe no longer, it may be possible to make them believe by force » Machiavelli, , p. Zudem sind sie in ihrem Verhalten flexibel Bereczkei, , können sich also an neue Umstände gut anpassen. Auch sie haben psychopathische Züge Muris et al. Im Arbeitskontext zeigt eine Person mit Machiavellismus einen autoritären und missbräuchlichen Führungsstil Kiazad et al.
Dabei zeigen sie einen weichen Manipulationsstil, und Counterproductive workplace behaviour Jonason et al. In anderen Worten: Machiavellismus ist ein weiteres Übel. Es gibt unzählige Fragebögen, die Machiavellismus erfassen. Die 20 Items erfassen drei Faktoren: manipulative Taktiken « It is wise to flatter important people » , zynische Sicht auf die menschliche Natur « Anyone who completely trusts anyone is asking for trouble » und Missachtung konventioneller moralischer Ansichten « Sometimes one should take action even when one knows that it is not morally right ».
Beim Lesen der Zusammenfassungen der beiden Persönlichkeitsmerkmale mögen bereits einigen die vielen Gemeinsamkeiten der Beiden aufgefallen sein. Kein Wunder also, dass die beiden Merkmale in vielen Studien hoch miteinander korrelieren Muris et al. Im Allgemeinen zeigte eine Faktorenanalyse, dass alle drei Merkmale der Dark Triad mit einem einzigen Faktor korrelieren Hodson et al.
Insgesamt gibt es jedoch grosse Unterschiede zwischen den Studien, basierend auf den verschiedenen Messmethoden und Probanden, die verwendet wurden Furnham et al. Den beiden Autorinnen dieses Artikels ist zudem aufgefallen, dass in den unterschiedlichen Studien zu Psychopathie und Machiavellismus nie eine standardisierte Definition für die Merkmale verwendet wurde.
Dies erschwert vermutlich eine klare Abgrenzung und einen wissenschaftlichen Diskurs noch zusätzlich. Es mag einem schleierhaft vorkommen, wie es möglich ist, dass sich die Psychopathie in der Natur durchsetzen konnte. Doch eine evolutionäre Sicht bietet eine mögliche Erklärung. Es wird vorgeschlagen, dass Psychopathie einen Überlebens- und Reproduktionsvorteil schafft Krupp et al.
Die Personen würden eine cheater strategy benutzen, in dem sie andere Individuen ausnutzen Hare, Nur wenn wenige Personen sie benutzen, ist sie erfolgreich. Wenn zu viele Menschen Psychopathie aufweisen würden, gäbe es niemanden zum Ausnutzen. Es gibt noch weitere Gemeinsamkeiten zwischen Psychopathie und Machiavellismus. Beide Persönlichkeitsmerkmale beinhalten substantielle, genetische Komponenten Petrides et al.
Beide stehen in Verbindung zu moralischen Problemen und antisozialen Taktiken Muris et al. Es wird in verschiedenen Quellen diskutiert, ob Psychopathie und Machiavellismus nicht denselben Kern beinhalten. Jedoch herrscht nach wie vor Uneinigkeit, was dieser Kern sein sollte. Andere behaupten, dass Psychopathie und Machiavellismus dasselbe sind Miller et al. Trotz all dieser Gemeinsamkeiten gibt es auch ein paar Unterschiede.
Insbesondere lassen sich drei Unterschiedlichkeiten vermerken: Impulsivität, Verhaltensflexibilität und Zeitorientierung. Generell sind Individuen mit Psychopathie dysfunktional impulsiv — das heisst, sie besitzen die Fähigkeit in Situationen schnell zu reagieren, in denen es nicht von Vorteil ist Dickman, Damit in Zusammenhang stehen auch schlechte Selbstkontrolle, Rücksichtslosigkeit und Defizite in Vermeidungsorientierung Brunas-Wagstaff et al.
Der Link zwischen Psychopathie und Impulsivität lässt sich auch anhand des Behavioral Inhibition System BIS und Behavioral Activation System BAS aufzeigen. Das BIS kennzeichnet sich durch eine Sensitivität für Bestrafungen und Neuheiten, während das BAS eine Sensitivität und Strebung nach Belohnung beinhaltet Gray, Dahingegen korreliert Machiavellismus entweder mit keinem der beiden Systeme Neria et al.
Dadurch, dass Personen mit Machiavellismus sensitiver auf Bestrafungen sind, lässt sich eine Erklärung für den Unterschied zur Impulsivität erahnen. Der zweite Unterschied, die Verhaltensflexibilität, beinhaltet erneut ein Defizit auf Seiten der Psychopathie. Personen mit Psychopathie fehlt diese Flexibilität und sie besitzen einen kurzsichtigen Fokus Bereczkei, Individuen mit Machiavellismus können ihr Verhalten verändern, so dass sie sich an externale Faktoren anpassen.
Dadurch können sie allfällige Bestrafungen oder Belohnungen in ihre Entscheidungsfindung miteinbeziehen Bereczkei, Mehrere Studien belegen, dass die Versuchspersonen mit hohen Werten in Machiavellismus sich nur dann egoistisch verhalten, wenn sie wissen, dass sie für ihr Verhalten nicht bestraft werden können Bereczkei, ; Spitzer et al. Sobald diese Garantie nicht mehr gewährleistet wurde, verhielten sie sich nicht länger egoistisch.
Gleichzeitig verhielten sich dieselben Personen prosozial, falls es mit ihren persönlichen Zielen übereinstimmte Spitzer et al.
Psychopathie und Machiavellismus
In anderen Studien konnte das Fehlen von Verhaltensflexibilität bei psychopathischen Personen durch die Assoziation mit passivem Vermeidungslernen aufgezeigt werden. Beide dieser Unterschiede, Impulsivität und Verhaltensflexibilität, stehen in Zusammenhang mit der letzten Unterscheidung: der Zeitorientierung. Ein paar weitere Unterschiede lassen sich erwähnen. Psychopathie und Machiavellismus korrelieren mit unterschiedlichen Arten der Manipulation.
Während Psychopathie mit harten Manipulationstaktiken, wie beispielsweise Drohungen, in Verbindung steht, ist Machiavellismus mit weichen Manipulationen, wie das Anbieten von Gefälligkeiten, assoziiert Jonason et al. Die Unterschiede und Gemeinsamkeiten zwischen Psychopathie und Machiavellismus sind also mannigfaltig.
Hinzu kommt, dass die beiden Persönlichkeitsmerkmale in unterschiedlichen Kontexten untersucht werden. Psychopathie findet man oft in klinischen Studien wieder Miller et al. Das macht freilich ein abschliessendes Urteil, ob die beiden Merkmale zwei distinkte Konstrukte oder doch nur ein Persönlichkeitsmuster sind, nicht einfacher.
Hinzu kommen die methodischen Mängel. Das Fehlen von standarisierten Definitionen und die oftmals ungenügenden psychometrischen Werte der Instrumente Miller et al. Vorerst mögen die Unterschiede zwischen Psychopathie und Machiavellismus ausreichen, um von zwei distinkten Persönlichkeitsmerkmalen auszugehen. Muris, P. The malevolent side of human nature.
Perspectives on Psychological Science , 12 2 , — Vize, C. Differences among Dark Triad components: A meta-analytic investigation. Personality Disorders: Theory, Research, and Treatment. Ali, F. Empathy deficits and trait emotional intelligence in psychopathy and Machiavellianism. Personality and Individual Differences , 47 7 , — Andrew, J. The relationship between empathy and Machiavellianism: An alternative to empathizing—systemizing theory.
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