Ich werde nervös wenn es still ist psychologie
Egal ob Bio-Nazis, DDR-Wochenkrippen oder Tabuthema Menstruation — das Zeitfragen-Feature von Deutschlandfunk Kultur beleuchtet die Hintergründe. Jede Woche greifen wir die wichtigsten Fragen unserer Zeit aus Politik, Umwelt, Wirtschaft, Geschichte, Literatur, Wissenschaft und Forschung auf. Der Mensch, der so gekränkt ist, glaubt, moralisch im Vorteil zu sein. Er glaubt, unter Umständen auch verachten zu dürfen.
Das Ressentiment braucht die Feindschaft. Das Ressentiment braucht den Schmerz und das Leid. Wenn ich mich zurückgesetzt fühle: Die können am Leben nicht mehr teilnehmen. Die stehen am Rande, gucken zu, wie das Leben weitergeht. Das Leben stagniert für die, und da kommt eine ohnmächtige Wut. Der Königsweg, um aus einer misslichen Lage vor allem emotionaler Art herauszukommen, ist zunächst einmal die Bereitschaft, diese Lage anzuerkennen, und ein denkerischer Umgang.
Die wichtigsten Kulturdebatten und Empfehlungen der Woche, jeden Freitag direkt in Ihr E-Mail-Postfach. Falls Sie keine Bestätigungs-Mail für Ihre Registrierung in Ihrem Posteingang sehen, prüfen Sie bitte Ihren Spam-Ordner. Willkommen zurück! Sie sind bereits zu diesem Newsletter angemeldet. Redaktion: Carsten Burtke Regie: Stefanie Lazai Technik: Martin Eichberg Sprecherin: Christiane Jensen Sprecher: Max Urlacher.
Psychologie Weg von Wut und Hass Die seelische Selbstvergiftung überwinden Minuten. Twitter Facebook Email Pocket Audio herunterladen. Das Ressentiment — also das wiederholte Durch- und Nachleben eines seelischen Zustands — kann zu einer Art seelischen Selbstvergiftung führen: Kränkungen werden immer wieder durchlebt, Hass und Wut wachsen. Wie kann man diesem Zustand entkommen? Aus dem Podcast Zeitfragen.
Podcast abonnieren Egal ob Bio-Nazis, DDR-Wochenkrippen oder Tabuthema Menstruation — das Zeitfragen-Feature von Deutschlandfunk Kultur beleuchtet die Hintergründe. Beitrag Sendung Apple Podcasts Google Podcasts Spotify RSS Feed. Er betreibt dort eine Praxis. Keine psychologische Praxis, auch keine medizinische Praxis, sondern eine philosophische Praxis.
Das ist selten. Zu Besuch bei Thomas Gutknecht, bei einem praktizierenden Philosophen, zu Besuch in einem Haus, das auch eine Praxis ist: das gegründete Logos Institut im winzigen Lichtenstein. Menschen kommen, um sich beraten zu lassen in grundsätzlichen Lebensfragen.
Akute Unruhe bewältigen, wenn Entspannungstechniken im Liegen nicht helfen
Andere lesen und denken mit Thomas Gutknecht, einzeln und in Gruppen. Der Beginn eines langen Gesprächs bei Frühstück und Kaffee. Seine Frau Maria Baiker sitzt mit am Tisch. Den Anlass für das Treffen gab eben die Arbeit: an einem Buch, das Anfang erschienen ist. Aber nicht um Ressentiments im landläufigen Sinne, nicht um Vorurteile oder Feindbilder.
Dieses Mehrzahlwort meint der jährige Philosoph nicht, der auch Katholische Theologie, Pastoralpsychologie und Germanistik studiert hat. Der Philosoph Thomas Gutknecht vor seinem gegründeten Logos Institut. Er meint ein Ressentiment in der Einzahl. Ein Phänomen, das Menschen mit Macht entzweit. Das Ressentiment in Gutknechts Vorstellung lässt diese Kränkung nicht Vergangenheit sein, sondern holt sie immer wieder zurück ins Jetzt.
Das sich auch verstärkt beziehungsweise verstärkt empfunden wird. Ressentiment als das philosophische Wort im Sinne Gutknechts kommt aus dem Französischen, von Michel de Montaigne vor mehr als Jahren. Friedrich Nietzsche griff es vor anderthalb Jahrhunderten auf. Es stand für das wiederholte Durch- und Nachleben eines seelischen Zustands.
Max Scheler, in den ern ein medienwirksamer Starphilosoph und Soziologe, schrieb auch darüber. Gutknecht sammelt die vielen Ansätze zum Ressentiment in einer neuen philosophischen Betrachtung. Das Ressentiment ist eine Selbstvergiftung der Seele Philosoph Thomas Gutknecht. Drei Fragen stellen sich: Erstens, was macht dieses Ressentiment mit Menschen und mit der Gesellschaft?
Zweitens: Gibt es für ein solches Phänomen auch empirisch-wissenschaftliche Belege aus der Psychologie und Psychotherapie? Und, wenn ja, drittens: Welche Wege führen aus dem Ressentiment heraus? Er spricht auch von der Ressentimentalität. Es wird dann zur Einstellung. Es wird zur Haltung. Es wird verbunden mit der ganzen Person.
Was versteht man unter Agitation (Agitiertheit)?
Von der Kränkung zur Heilung. Rückzug ist keine Lösung Das gekränkte Ich Narzissmus Das zwanghafte Kreisen ums Ich Hass und Moral Der irrationale Wille zur Vernichtung Ressentimentalität entwickelt enorme Sprengkraft. Als eine Affektlage, ein Geistes- und Gemütszustand, der entsteht, wenn Menschen sich gekränkt und dabei ohnmächtig fühlen, sich also nicht wehren wollen oder sich nicht wehren können.
Manchmal heilt die Zeit alle Wunden. Aber manchmal eben auch nicht. Dann steigt das Gefühl der Kränkung immer auf, wird stärker und stärker. Denn man kann sich selber ja nicht freuen und man gönnt den anderen die Freude nicht. Eine Enge, die sich zunehmend immer mehr verspinnt in dem Ressentiment. Selber hat man nichts, und den anderen gönnt man nichts. Was bleibt da von der Lebensfreude noch übrig?
Das ist eine Vergiftung. An die Stelle der Lebensfreude tritt nach Gutknechts Beobachtung das Leiden. Es kommt zu einem Leben geprägt vom seelischen Schmerz. Die Verachtung, die ja immer möglich ist aus verschiedensten Gründen, wird im Ressentiment zur moralisch legitimierten Verachtung. Dann wird es ganz arg gefährlich, wenn der Mensch im Ressentiment sich auch noch moralisch im Recht sieht, dann gibt es auch gar keinen Grund, an der eigenen ressentimentalen Versehrtheit irgendwie noch zu arbeiten.
Einige Menschen im so verstandenen Ressentiment werden laut aus hasserfüllter, wütender Verachtung für andere. Man kennt dies von Populisten-Politikern, die auf diese Weise Stimmen ressentimentgeladener Wähler einsammeln. Das Ressentiment wirkt im Sündenbockprinzip. Andere Ressentimentgetriebene sitzen still in einer Ecke: mit einem Gesichtsausdruck des überlegenen Wissens, wie die Dinge wirklich seien, schmallippig mit heruntergezogenen Mundwinkeln.
Dies, meint Gutknecht, sei die Welt der Verschwörungserzählungen. Ich habe keine Chance mehr. Da bleibt mir nicht viel Spielraum. Es ist in Wahrheit tatsächlich nicht so, aber es wird gefühlt. Vom Ressentiment beherrschte Menschen verwenden in Gutknechts Vorstellung viel Kraft darauf, genau diese Lebenshaltung zu bewahren. Hat es aber.
Gutknecht spricht beim Ressentiment vom Jammerrecht. Das ist der Gewinn, wie beim Krankheitsgewinn, was jemand dazu bringt, dass er gar nicht seine Krankheit loswerden will. So gibt es unter Umständen das Problem, dass Menschen im Ressentiment ihre Ressentimentalität gern behalten möchten. Philosoph Thomas Gutknecht. Nun kann es niemals wirklich ein Gewinn sein, die Verantwortung für das eigene Leben abzulehnen.
Das mag zwar eine Zeit lang entlasten. Aber Menschen kann dabei ihr Leben entgleiten, so wie es Petra Elsner beinahe widerfuhr. Die einstige Chef-Requisiteurin eines Theaters erlebte bei sich vor vielen Jahren ein Ressentiment ganz im Sinne Gutknechts, eines der leisen Sorte. Mit ihrer Erinnerung daran fand sie sich wieder in dem Buch. Auf Gutknechts Einladung hin traut sie sich nun, vor eingeschaltetem Mikrofon eine Weile mit am Tisch zu sitzen, zu erzählen, wie es war: ihr Leben im Ressentiment.
Sie zog sich innerlich zurück, und zwar für Jahre — aus ihrer Arbeit, die sie eigentlich so sehr liebte, auch von ihren Kolleginnen und Kollegen. Dann klappt irgendwas nicht. Dann kann es sein, dass jemand wahnsinnig rumschreit, und dann sind alle schuld. Es gab sehr viele Endproben, und dann hat man gemerkt: Jetzt läuft das aus dem Ruder, jetzt stehe ich halt gerade im Weg.
Ich hatte auch eine Wut. Ich habe gedacht, das gibt es doch wohl nicht, und habe dann manchmal auch geheult. Ich war schon sehr verletzt. Das habe ich wirklich als eine Einengung meiner Seele verstanden. Das war auch oft entwürdigend. Dieser Zustand habe sich dann zunehmend schneller entwickelt.