Psychologie negative gedanken

Schubert hat seinem Scheitern einen Sinn gegeben — eine weitere Strategie, um gut damit fertig zu werden, wie der Psychologe Joachim Stoeber von der University of Kent herausfand. Stoeber studiert das Scheitern an Personen, die täglich dazu verurteilt sind: Perfektionisten. Wegen ihrer überhöhten Ansprüche werden sie nur selten ihren Erwartungen gerecht.

Die Studenten mussten beichten, wenn sie in einer Klausur schlechter abschnitten als erhofft, wenn sie noch immer keinen Ferienjob gefunden oder die Wäsche nicht gewaschen hatten. Stoeber stellte fest: Am besten konnten die Probanden ihre Niederlagen wegstecken, wenn es ihnen gelang, diese mit Humor zu sehen, ihnen etwas Positives abzugewinnen oder sich auf das zu konzentrieren, was gelungen war.

In der Interpretation eines negativen Ereignisses liegt der Schlüssel, um zufrieden damit weiterleben zu können. Wer hat nicht schon einmal ein Ziel abgewertet, das unerreichbar war? An Politikern lässt sich diese Strategie besonders gut beobachten. Abele-Brehm fand heraus, dass Politiker, deren Partei eine Wahl gewonnen hatte, den Erfolg häufig bestimmten Merkmalen der Partei oder der Kandidaten sowie dem Wahlprogramm zuschrieben.

Besonders verblüffend an der Studie war, dass sich nahezu alle Politiker nach der Wahl irgendwie als Sieger sahen. Wer erinnert sich nicht an Gerhard Schröders legendären Auftritt in der Elefantenrunde , als er vor den Augen der Nation seine Wahlniederlage in einen Erfolg umdeutete.

Woran erkennt man negatives Denken?

Niemand könne sich so selbstgewiss präsentieren, wenn er nicht auch innerlich ein bisschen von dieser Interpretation überzeugt wäre. Es ist halt leichter, seinen Frieden mit einer Niederlage zu machen, wenn man andere in der Verantwortung sieht oder den Blick auf die positiven Aspekte richtet. Allerdings hat das gerettete Selbstbild seinen Preis.

Um eine Lektion zu lernen, muss man sich ja erst einmal eingestehen, etwas falsch gemacht zu haben. Wo also liegt der Mittelweg zwischen Selbstzerfleischung und Realitätsverleugnung? Die Antwort steckt in einem einfachen Satz, der schwer zu beherzigen ist: "Ich habe versagt, aber ich bin kein Versager. Und manchmal gelingt dies nur mit professioneller Hilfe. Denn sie können ihre Konzentration schneller wieder auf das Spiel lenken.

Dafür brauchte es aber eine offenere Lernkultur an den Schulen. Die Psychologin Carol Dweck von der Stanford University empfiehlt, Kinder bei Erfolgen ganz gezielt für ihre Bemühungen zu loben, also für ihr Handeln. Das erhöhe auch die Motivation, sich neuen Herausforderungen zu stellen: Wurden Kinder nach einem Test für ihre Anstrengung gelobt, waren die meisten hinterher mutig genug, um sich an einen schwierigeren Test zu wagen.

Kinder hingegen, deren Intelligenz gepriesen wurde, also eine Eigenschaft, wählten als Nächstes einen leichten Test — sie wollten lieber auf Nummer sicher gehen, um weiterhin als schlau zu gelten. Jetzt teilen auf: Facebook Facebook twitter Twittern Flipboard Flippen Whatsapp WhatsApp Facebook Messenger Facebook Messenger Pocket Pocket Mail Mailen Artikel drucken.