Irving yehalom psychologie
Irvin D. Da ist er fünfundachtzig Jahre alt — die Geschichte, die ihn aus dem Schlaf holt, liegt dreiundsiebzig Jahre zurück und ist auf den ersten Blick nicht besonders aufregend, eher enttäuschend. Doch das ist bekanntlich normal. Yaloms Albtraum besteht schlicht darin, dass er als Jugendlicher ein Mädchen aus der Nachbarschaft mit einer achtlosen Bemerkung beleidigt hat.
Im Traum stellt ihn der Vater des Mädchens zur Rede und führt ihm sein verletzendes Verhalten vor Augen. Eine peinliche Situation, die Yalom aufschrecken lässt, er hat das Mädchen gekränkt und war sich dessen nicht bewusst. Was ihm fehlte, was, so Yalom, uns allen fehlt, ist Empathie, die Fähigkeit, die Welt aus der Sicht eines anderen wahrzunehmen.
Die Therapie, so Yalom, kann die Grenzen erweitern und unser eigenes Ich transzendieren, so dass wir uns in das andere Ich immer besser einfühlen können. Yalom will sich in seinen Memoiren mit allen Widersprüchen und Zweifeln sichtbar machen. Er war der Sohn russisch-jüdischer Einwanderer. Seine Eltern kamen aus einem Dorf nahe der polnischen Grenze.
Trotz ihrer prekären Existenz sorgten sie dafür, dass ihre beiden Kinder — ihre Tochter Jean Rose und ihr Sohn Irvin — studieren konnten. Yalom verabscheute seine Kindheit, schon früh wollte er aus den engen Verhältnissen heraus, mit den religiösen Einstellungen seiner Eltern konnte er wenig anfangen. Die Bibliothek wurde zu seinem zweiten Zuhause. Er war ein ausgezeichneter Schüler, doch da war noch etwas anderes, seine Leidenschaft fürs Wetten, seine lebenslange Freude am Zocken.
Yalom hat seinen Weg gemacht, er reüssierte nicht nur als Therapeut, sondern auch als Schriftsteller. In seinen Memoiren lässt er die Stationen seines Lebens noch einmal Revue passieren, seine Arbeit als Gruppentherapeut, seine Hinwendung zur existenziellen Psychotherapie, seine zahlreichen Reisen, seine Buchprojekte und seine Ehe mit der Literaturwissenschaftlerin Marilyn Yalom — eine Jugendliebe, die ein ganzes Leben hielt.
Die Memoiren zeigen, dass Yalom sich nicht nur als Therapeut, sondern auch als Seelenführer versteht. Er selbst hat einen solchen Seelenführer sein ganzes Leben gesucht.
Der Seelenführer
Erst bei der Abfassung seiner Memoiren ist ihm klargeworden, dass es solche Menschen durchaus gegeben hat. Trotz seines erfolgreichen Lebens wird er den Gedanken nicht los, dass er sich seine Leistungen nur eingebildet hat. Yalom hat viel zu erzählen — und man hört ihm gerne zu, auch und gerade weil hier jemand spricht, der sich wichtig nimmt.
Yalom: Wie man wird, was man ist. Aus dem Amerikanischen von Barbara von Bechtolsheim. Btb, München , S. Von Wolfgang Martynkewicz. Begegnung statt Katharsis Yalom will sich in seinen Memoiren mit allen Widersprüchen und Zweifeln sichtbar machen. Wie eine Lilie im Sumpf Yalom hat seinen Weg gemacht, er reüssierte nicht nur als Therapeut, sondern auch als Schriftsteller.
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Existenzielle Perspektiven in Psychotherapie und Beratung, Noyon, Heiden HB*.
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